Viola Tiltsch
Jorun Ruppel

Museumsschädlinge

„Wir sammeln, um Sammlungen zu schützen“

Viele Objekte in Museen bestehen aus Materialien,
die für manche Insektenarten Nahrung sind:
Zum Beispiel Leder oder Holz.
Sie nagen die Oberfläche ab, fressen Löcher hinein
oder richten noch schlimmeren Schaden an.
Meist sind sie nachts oder an versteckten Stellen aktiv.

Deshalb stellen wir überall im Museum Klebefallen auf.
So finden wir heraus, wer hier nachts sein Unwesen treibt.
Diese Fallen werden alle drei Monate kontrolliert.

Dabei schauen wir:
Welche Schädlinge haben wir gefangen?
Wie viele gibt es?

Die Ergebnisse tragen wir in Tabellen ein
und vergleichen sie mit den vorherigen Kontrollen.
So sehen wir, ob es mehr Insekten gibt
oder ob die Zahl stabil bleibt.

Was wir sammeln, sind Daten.
Die benutzten Fallen brauchen wir danach nicht mehr.
Darum heben wir sie meistens nicht auf.

Insektenmonitoring

Hier sieht man eine Auswertungstabelle. Darin werden alle Tiere festghalten, die sich in den Museumsfallen finden lassen. Eine solche Falle kannst du auf dem Bild rechts daneben sehen.

Fraßschäden

Das kann passieren, wenn man Papierfischchen zu lange mit der Sammlung alleine lässt.

Schädling oder Lästling

Bei der Auswertung unserer Insektenfallen unterscheiden wir zunächst zwischen Schädlingen und Lästlingen.
Zu den Schädlingen gehören beispielsweise Papierfischchen, die Papier als Nahrungsquelle bevorzugen und der Wollkrautblütenkäfer, dessen Larven sich von tierischen Materialien und Textilien ernähren.
Lästlinge hingegen sind z.B. Spinnen, Fliegen und Kellerasseln.
Das Silberfischchen nimmt eine Sonderstellung ein, da es in Gebäuden unerwünscht ist, als Nahrungsquelle für Papierfischchen dienen kann und es im Zweifel ebenfalls an Objekten nagt.

Silberfischchen oder Papierfischchen?

Das äußere Erscheinungsbild unterscheidet sich vor Allem in der Länge der borstenförmigen Fortsätze am Körperende sowie der Kopfform. Das Silberfischchen hat einen eckigen, eher kahlen Kopf, wohingegen das Papierfischchen einen runden und haarigen Kopf hat sowie deutlich längere Borsten am Körperende.
Beide Fischchen-Arten können Papierobjekte schädigen, jedoch verbreiten sich Papierfischchen schneller, sind viel mobiler und schwieriger zu bekämpfen.
Silberfischchen laufen eher systemlos über den Boden auf der Suche nach Nahrung, wohingegen Papierfischchen senkrechte Wände und entlang 30° schrägen Decken hochlaufen können.
Adulte Silberfischchen Weibchen legen ca. 20 Eier/Jahr, adulte Papierfischen hingegen sogar ca. 60 Eier/Jahr und werden zudem älter (bis zu 7 Jahre).

BESTIMMUNGSSPIEL

Kannst du diesen Fund bestimmen?

Papierfischchen!!!

Hattest du Schwierigkeiten bei der Bestimmung? Es ist tatsächlich nicht immer so einfach. Je länger ein Tier bereits in der Falle gewesen ist, desto mehr verändert sich auch seine Erscheinlung. Antennen und Fortsätze können abbrechen. Der Beste Hinweis bleibt die Kopfform.

Ursachen der Verbreitung anhand Papierfischchen

Das Insektenmonitoring hilft uns dabei, Ursachen für den Schädlingseintrag zu finden und darauf zu reagieren. Ein besonderes Problem stellen Papierfischchen dar. Sie werden u.a. durch Wellpappe wie Versandpakete verbreitet.
Sie ähneln Silberfischen, die Sie vielleicht aus dem Badezimmer kennen. Der große Unterschied ist, dass Silberfischchen feuchte Umgebungen bevorzugen und auch im Freiland heimisch sind. Papierfischchen hingegen fühlen sich auch im trockenen Wohnraumklima wohl und sind nicht im Freiland heimisch, sondern Kulturfolger.

Was macht man dagegen? Wie wird man sie los?

Zunächst wird mit Klebefallen festgestellt, um welches Insekt es sich handelt und wie stark der Befall ist. Die rasche Verbreitung kann reduziert werden, indem die Räumlichkeiten gekühlt werden. Zudem sorgen Hygienemaßnahmen wie Saugen dafür das weniger Nahrung verfügbar ist, denn die Fischchen ernähren sich nicht nur von Zellulose-haltigen Papier, Stärke und Dextrin sondern auch von Staub, Schimmel, Insekten und Hautschuppen.
Zur weiteren Bekämpfung können auch Gift, Kieselgur und Weiteres zum Einsatz kommen. Hier ist jedoch abzuwägen, ob der Einsatz möglich ist (Zugang von Kindern, Tieren).
Objekte sollten vorbeugend erhöht auf z.B. Regalen mit glatten Oberflächen untergebracht sein.
Wenn wir Sie einmal im Haus haben, werden wir sie nicht so schnell wieder los. Prävention ist wichtig. Achten Sie darauf, was Sie sich ins Haus holen.