Brockensammlung:
Gesammeltes Leben
Wer sammelt, bewahrt. Dinge, Geschichten, Erfahrungen. In der Neuen Arbeit Brockensammlung (NAB) Göttingen wird genau das sichtbar: Hier werden nicht nur gebrauchte Gegenstände gesammelt, sortiert und weitergegeben – hier sammeln Menschen neue Perspektiven für ihr Leben. Die Neue Arbeit Brockensammlung ist ein sozialpädagogisches Arbeitsprojekt des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Göttingen.
Seit den 1980er-Jahren eröffnet sie langzeitarbeitslosen Menschen neue Wege ins Erwerbsleben. Arbeit bedeutet hier mehr als Beschäftigung: Sie ist Lernfeld, Strukturgeber und Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe.
Im Mittelpunkt stehen immer die Menschen – mit ihren Erfahrungen, Fähigkeiten und Zukunftswünschen. Die Arbeitsbereiche der Brockensammlung sind dabei das praktische Umfeld, in dem sie Schritt für Schritt Selbstvertrauen gewinnen, Kompetenzen entwickeln und neue berufliche Perspektiven aufbauen können.
Wer hier arbeitet
In der Folge erzählen 5 Menschen von den Erfahrungen, die sie in ihrer Zeit bei der NAB gesammelt haben.
Seit zwei Jahren arbeite ich in der Neuen Arbeit Brockensammlung. In dieser Zeit habe ich eine sinnstiftende Tagesstruktur gefunden, die mir Halt, Orientierung und Perspektive gibt. Mir wird Vertrauen entgegengebracht, ich kann Verantwortung übernehmen, mich einbringen und erlebe ein offenes, wertschätzendes Arbeitsklima.
Das Miteinander im Team ist geprägt von gegenseitiger Unterstützung. Wenn etwas geklärt werden muss, findet man immer ein offenes Ohr. In der Brockensammlung geht es dabei nicht nur um Arbeit: Auch Persönliches darf Raum haben. Man wird angenommen, wie man ist – mit Stärken und Schwächen.
Besonders wichtig ist für mich das Gefühl, dass meine Stärken gesehen und gefördert werden. Im Team ergänzen wir uns gut, denn jede und jeder bringt unterschiedliche Fähigkeiten mit. Schon bevor ich zur NAB kam, lagen meine Interessen im sozialen Bereich und im Verkauf; hier kann ich genau daran anknüpfen und mich weiterentwickeln.
Ohne die Neue Arbeit Brockensammlung wäre ich vermutlich in alten Lebensgewohnheiten und Mustern geblieben und hätte weniger Verantwortungsgefühl und Verlässlichkeit entwickelt. Eine wichtige Möglichkeit zur Stabilisierung wäre mir entgangen. Heute geben mir die Tagesstruktur, ein verständnisvoller und unterstützender Arbeitsplatz – und nicht zuletzt das gemeinsame Hören von HR1 im Arbeitsalltag – genau den Rahmen, den ich brauche, um meinen Weg weiterzugehen und beruflich wieder Fuß zu fassen.
Ziel und Haltung
Nach einer langen und schweren Krankheit stand ich vor der Frage, welche Möglichkeiten mir auf dem ersten Arbeitsmarkt noch offenstehen und welchen Anforderungen ich überhaupt noch gewachsen bin.Wichtig war mir zunächst, meine eigenen Belastungsgrenzen auszuloten und zu testen, was ich mir wieder zutrauen kann.
Über Bekannte wurde ich auf die Neue Arbeit Brockensammlung aufmerksam,als ich auf der Suche nach einer sinnvollen Tätigkeit war. Relativ schnell habe ich gemerkt, dass mir der geregelte Tagesablauf guttut und mir der Umgang mit Menschen im Verkauf nach wie vor große Freude bereitet. Ich erlebe, dass ich auch schwierige Situationen dank meiner Erfahrung weiterhin eloquent meistern kann.
Besonders spannend finde ich, dass der Arbeitsalltag sehr abwechslungsreich ist: Jeden Tag ergeben sich neue Situationen, auf die ich flexibel reagieren muss, und ich übernehme inzwischen auch Einarbeitungstätigkeiten für neue Kolleg*innen.
Die Tätigkeiten bei der Neuen Arbeit Brockensammlung ähneln denen auf dem ersten Arbeitsmarkt, finden aber in einem geschützten Rahmen statt. Der Umgang miteinander ist von besonderer Qualität, geprägt von Toleranz und gegenseitigem Verständnis – jede*r bringt sein eigenes Päckchen und seine eigene Geschichte mit.
Neben meiner früheren Erwerbstätigkeit war ich immer sozial engagiert, und dieses Engagement passt hervorragend zur Ausrichtung der Neuen Arbeit Brockensammlung.
Für mich schließt sich hier ein Kreis.
Seit etwa eineinhalb Jahren mache ich eine Umschulung im Second-Hand-Kaufhaus KIM der Neue Arbeit Brockensammlung.
Bevor ich hier angefangen habe, hatte ich große Schwierigkeiten, im Arbeitsleben Fuß zu fassen – besonders im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen. Diese Erfahrungen haben mein Selbstbewusstsein stark angekratzt. Ich dachte lange Zeit, ich selbst sei das Problem.
Bei KIM war es dann ganz anders. Schon von Anfang an habe ich viel positives Feedback und ehrliches Lob bekommen. Zum ersten Mal habe ich erlebt, dass nicht ich das Problem bin, sondern dass ein gutes Miteinander sehr viel ausmachen kann. Das Team ist freundlich, verständnisvoll und geduldig. Man erklärt mir alles in Ruhe und lässt mich lernen. Selbst wenn viel zu tun ist, empfinde ich keine Anspannung – im Gegenteil: Die Arbeit bereitet mir Freude.
Besonders schätze ich die gute Teamarbeit und das soziale, zwischenmenschliche Miteinander. Hier ziehen alle an einem Strang, und ich bekomme genau die Unterstützung, die ich brauche, um meine Ausbildung erfolgreich zu schaffen.
Diese positiven Erfahrungen bedeuten mir sehr viel. Sie haben mein Selbstbewusstsein gestärkt und mich regelrecht verändert. Ich bin überzeugt, dass mir das, was ich hier gelernt und erlebt habe, langfristig den Weg für meine berufliche Zukunft ebnen wird.
Fünf Abteilungen – fünf Arbeitswelten
Malerabteilung – Räume neu denken
Tischlerei – Arbeiten mit dem Werkstoff Holz
Lager und Transport – Ordnung im Hintergrund
Reinigung – Sorgfalt und Verantwortung
Nach Krankheit und Reha war ich mehrere Jahre arbeitslos. Aufgrund meines Alters sah ich kaum Chancen, noch einmal eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden. So bin ich vor sechseinhalb Jahren zur Neuen Arbeit Brockensammlung gekommen. Die Tätigkeit hat mir von Anfang an so gut gefallen, dass ich geblieben bin.
Die Atmosphäre ist angenehm, der Umgang mit Kolleg*innen und Vorgesetzten wertschätzend, und es gibt keinen negativen Stress. Die Arbeit ist interessant und abwechslungsreich, zudem kann ich meine Arbeitszeiten selbst bestimmen. Besonders wichtig für mich ist die Struktur und der geregelte Tagesablauf, den ich hier finde. Ohne diese Stabilität wäre mein Alltag deutlich schwieriger zu bewältigen, und Depressionen könnten die Folge sein.
Durch die Arbeit bin ich in Bewegung, was mich davor schützt, erneut krank zu werden. Ich stehe morgens auf und habe ein Ziel vor Augen. Außerdem habe ich hier soziale Kontakte, die für mein Wohlbefinden eine große Rolle spielen.
Nach einer schwierigen Zeit mit einer Suchterkrankung und den anschließenden Schritten – Entgiftung, Reha und Adaption – bin ich vor etwa eineinhalb Jahren während meiner Adaptionsphase bei der Neuen Arbeit Brockensammlung gelandet. Dort bin ich geblieben, weil mir die Arbeit sehr guttut.
Die NAB gibt meinem Alltag Struktur und Routine, sorgt für einen geregelten Tagesablauf und schenkt mir soziale Kontakte. Das Miteinander mit Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten empfinde ich als sehr angenehm – respektvoll, offen und demokratisch.
Wenn ich nur zu Hause wäre, würde mir die Decke auf den Kopf fallen. Ich würde vereinsamen, nur noch fernsehen und hätte Schlafprobleme. Ohne eine sinnvolle Beschäftigung wäre auch die Gefahr groß, in alte Muster zurückzufallen.
Die Arbeit bei der Brockensammlung ist für mich deshalb weit mehr als ein Job – sie ist ein wichtiger Anker im Alltag und ein Schritt zurück ins Leben. Langfristig möchte ich diese Erfahrung als Sprungbrett nutzen, um wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.