Fotos von Bänken
Ich sammele Fotos von Bänken.
Warum ich das tue?
– weil Bänke zum Anhalten und Umherschauen einladen.
Etwas, das im Alltag oft zu kurz kommt.
– weil Bänke ein guter Ort sind, um seine Umgebung zu beobachten.
Doch in meinen Fotos richtet sich der Blick auf die Bänke selbst.
– weil Bänke die Begegnung von unterschiedlichen Leuten erleichtern.
– weil es spannend ist, Bänke an vielen unterschiedlichen Orten zu entdecken.
– weil Bänke für alle da sind.
– weil es faszinierend ist, wie unterschiedlich Bänke sein können:
in Form, Material, Farbe, Zustand.
– weil mein Gesellenstück eigentlich eine Bank sein sollte.
– weil es mir Spaß macht, nach dem Besonderen im Alltäglichen zu suchen.
Welche Bank ist Dir als letztes aufgefallen?
Wann hast Du zuletzt auf einer Bank gesessen?
„[…] weil Bänke für alle da sind.“
Leider ist es korrekter zu sagen: Bänke sollten für alle da sein. Aber das war und ist leider nicht immer der Fall. In Süd-afrika war die Benutzung von bestimmten Bänken lange Zeit nur für Menschen erlaubt, deren Hautfarbe als weiß ein-gestuft wurde.
Die Bänke des Künstlers Roderick Sauls ahmen öffentliche Bänke aus der Zeit der Apartheid (1959-1991) mit der Auf-schrift „Whites Only“ und „Non-Whites Only“ nach. Der Text auf den Holzbalken zitiert Auszüge aus dem Bevölke-rungsregistrierungsgesetz, das alle Südafrikaner*innen in pseudowissenschaftlich definierte „Rassen“ einteilte. Der Künstler hat die Bänke vor dem alten Race Classification Appeal Board in Kapstadt aufgestellt, dort fanden in den 1960er Jahren formelle Anhörungen der bizarrsten und demütigendsten Art; als Menschen vor ein Berufungsgremium kamen, damit dort entschieden wurde, in welche „Rasse“ sie eingeteilt werden sollten. Die Einteilung war subjektiv: so wurden z.B. Kinder oftmals anders klassifiziert als deren Eltern. Und je nach Klassifizierung hatten die Menschen un-terschiedliche Rechte: auf einer Skala von „weiß“ (vollständige Rechte) bis „schwarz/Bantu“ (geringste Rechte). Der Künstler Roderick Sauls sagt zu seinen Bänken: „Früher, weil die Menschen zwischen Nicht-Weißen und Weißen auf-geteilt waren, gingen die Leute an einer Bank vorbei, von der sie ausgeschlossen wurden, und saßen nie dort. Es war niemand dort, aber sie hätten sich dort nicht hingesetzt, die Leute hatten einfach Angst“. Er nennt sein Kunstwerk „Die Bank der Gedanken“.
Als Quelle dient ein Artikel des südafrikanischen „Sunday Times Heritage Project“ (kurz: STHP) in Zusammenarbeit mit dem „South African History Archive“ (kurz: SAHA).
Wie viel war das nochmal?
Im Rahmen der Vorbereitungen für diese Ausstellung kam die Frage auf, wie viele Fotos eigentlich bereits gesammelt wurden. Die Antwort war: Beinahe ein ganzer Hocker voll!* Oder auch: Eine genaue Zahl gibt es nicht.
Deshalb haben wir mit tatkräftiger Unterstützung unserer studentischen Hilfskräfte alle Fotos gesichtet, um einen besseren Überblick über die Sammlung zu erhalten. Das Ringen zwischen Chaos und Unübersichtlichkeit einerseits sowie Ordnung und Struktur andererseits ist ein typisches Thema beim Sammeln.
Was hat sich bei dir zuletzt angesammelt? Worüber musstest du dir erst kürzlich einen Überblick verschaffen?
*Anmerkung: Die ausgedruckten Fotos dieser Sammlung lagern in einem Fotohocker – ähnlich den Nachbildungen, die nun im Museum stehen und zum Hinsetzen sowie Anschauen der Ausstellung einladen.
SCHÄTZFRAGE
Wie viele Fotos sind es insgesamt wohl geworden?
Lösung
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